1 Einleitung und Zielstellung

Das Sehvermögen von tagaktiven Vögeln und damit auch des Wirtschaftsgeflügels unterscheidet sich sehr stark zu dem des Menschen. So sehen Vögel z. B. neben den Farbkanälen Rot, Grün, Blau (Trichromasie) auch UV-Licht und Schillerfarben, die durch besondere Strukturen hervorgehoben werden (Pentachromasie) (BERK et al. 2009).

Die Rolle des UVA-Lichtes scheint sich beim Wirtschaftsgeflügel auf retinaler Ebene abzuspielen. Es steuert somit weniger extraretinale und endogene Abläufe wie Wachstum, Futterumsetzung, Fertilität und Eiproduk-tion (HOGSETTE et al. 1997; KRISTENSEN et al. 2003), sondern eher Verhaltensweisen wie Partnererkennung, Attraktivität, Aufbau von Sozialgefügen, Aggressivität, Erkundungsdrang und Aktivität (LEWIS et al. 2000 und JONES et al. 2001, zit. bei STEIGERWALD 2006).

Fehlt im Lichtspektrum der UV-Anteil, so werden beim Vogel nur die blauen, grünen und roten Rezeptoren gereizt. Eine für den Menschen weiß erscheinende Oberfläche wird vom Vogel demzufolge farbig gesehen, weil die Gegenfarbtheorie zum Tragen kommt (BURKHARDT 1996).

Nach KORBEL (2011) ist außerdem davon auszugehen, dass bei Fehlen des UV-Anteiles in künstlichen Licht-quellen das Geflügel seine Haltungsumgebung in der Komplementärfarbe, also in „Falschfarben“ wahrnimmt. Des Weiteren sehen Vögel bei UV-Anteil im Lichtspektrum (natürliches Tageslicht oder künstliche Lichtquellen mit UV-Anteil) ihre Umgebung auch wesentlich heller. Die herkömmliche Kunstlichtbeleuchtung in Geflügel-ställen ist nach KORBEL (2011) auf rein menschliche Sehgewohnheiten ausgerichtet und trägt den spezifischen Sehleistungen des Vogelauges nur wenig Rechnung. Aus Sicht der wissenschaftlichen Grundlagenforschung entsprechen Leuchtstofflampen ohne UV-Anteil im Lichtspektrum nicht den Anforderungen an eine tiergerech-te Beleuchtung in Legehennenställen. Dies gilt nicht nur für alte Ställe ohne Tageslichteinfall, sondern auch für die Ställe, die nach dem 13. März 2002 in Benutzung genommen wurden und laut Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) über Lichtöffnungen verfügen müssen, deren Fläche 3 % der Stallgrundfläche beträgt. Die Lichtbänder geben zwar Tageslicht, dessen UV-Anteil wird jedoch in Abhängig-keit der verwendeten Fenstergläser in der Regel mehr oder weniger gefiltert.

Ziel der Untersuchungen war es zu ermitteln, inwieweit sich Leuchtmittel mit einem erhöhten UV-Anteil im Spektrum im Vergleich zu tageslichtähnlichen Lampen ohne UV-Anteil und herkömmlicher Beleuchtung im Stall auf die Leistung, den Futter- und Wasserverbrauch, die Tierverluste und das Verhalten von Legehennen auswirken.

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