Das Licht muß stimmen


Sonnenlicht ist für den Menschen  le­ bensnotwendig. Es regelt die biologi­ schen Funktionen des Organismus. Vom Sonnenlicht werden Nervensys­ tem und Hormonhaushalt gesteuert sowie Gesundheit und Psyche beein­ fluBt. Aber das Sonnenlicht erreicht uns nicht überall. Die meisten Menschen ar­ beiten in künstlich beleuchteten Räu­ men, viele verbringen auch ihre Freizeit in geschlossenen Räumen. Der Mangel an Sonnenlicht kann zu nachlassender Konzentration, Müdigkeit, Augen­ schmerzen, Kopfschmerzen, Depressio­ nen und Aggressionen führen.

arbeidssicher-2Dipl.-lng. Peter Aschendorf initiierte eine
bessere Beleuchtung in der Strahlentherapie.

lm Malteser-Krankenhaus St. Franziskus­ Hospital in Flensburg waren genau diese Beschwerden lnhalt vieler Klagen von Mitarbeitern der Strahlentherapie. Die Arbeitsräume in diesem Arbeitsbereich sind fensterlos und müssen künstlich beleuchtet werden. Dipl.-lng. Peter Aschendorf, Mitarbeiter der Strahlentherapie und Sicherheitsbeauftragter für  diesen Bereich im Malteser Krankenhaus, hörte sich die Beschwerden nicht nur an, son­ dern sorgte für Abhilfe. In Zusammenar­ beit mit Dr. Willy Möhl, Betriebsarzt, und Olis Falkenhagen, Technischer Aufsichts­ beamter der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspfle ­ ge (BGW), wurde die Beleuchtung in den Räumen verändert. Statt der bisherigen Leuchtstoffröhren wurden im vergangenen Jahr zunächst in zwei Räumen Vollspektrumlampen installiert. Das Besondere an diesen Lampen ist, daß sie das Spektrum des Tageslichtes sehr genau wiedergeben, inklusive eines geringen Anteils an UV-Strahlen, die - natürlich in Maßen - lebensnotwendig sind.

Bei allen herkömmlichen Glühlampen und Leuchtstoffröhren ist das Lichtspektrum nicht naturgetreu. Es hat, wie bei Glühlampen und warmweißen Leucht­ stoffröhren, einen höheren Rot- und Orangeanteil als das natürliche Tages­ licht, oder das Licht wirkt, wie bei neutralweißen Leuchtstoffröhren, grell und fast bläulich. Tageslichtweiße Leuchtstoffröhren sind eine Mischung aus beiden Gruppen, geben aber trotz­ dem nicht das Spektrum des Tageslichtes wieder. Ein weiterer Punkt, der das Wohlbefinden stören kann, ist das Flim­mern der Leuchtstoffröhren. Die elektrischen Lichtimpulse in der Röhre werden hundertmal pro Sekunde ein- und ausgeschaltet, sie werden also mit ra­sender Geschwindigkeit heller und wie­ der dunkler. Je näher die Lampe im bereich des Kopfes befestigt ist, desto unangenehmer wirkt sich dieser Flim­mereffekt aus. Obwohl man das Flimmern nicht bewußt sieht, registriert es der Sehnerv und übermittelt die lmpul­se an das Gehirn.

Die Vollspektrumlampen bestehen aus einem Quarzglaskolben, in dem mit Hilfe von vier verschiedenen Phosphaten und drei verschiedenen Edelgasen ein Licht erzeugt wird, das sich von der Sonne fast nur durch die Lichtintensität unterscheidet. Da die Vollspektrumlampen meistens mit einem Gleichricht Vorschaltgerät geliefert werden, entfällt das Wechselstromflimmmern.

lm Malteser-Krankenhaus waren die Re­aktionen der Mitarbeiter nach lnstalla­tion der Lampen sehr unterschiedlich. "Einige fanden das Licht zunächst sehr kalt, andere waren gleich begeistert", sagt Peter Aschendorf. "lch selbst hatte den Eindruck, daB in der Decke meines Arbeitszimmers eine Lichtkuppel vor­ handen sei und das Licht ungehindert hereinscheinen könne", sagt der Sicher­ heitsbeauftragte.

arbeidssicher-1lm Beobachtungs- und Steuerraum sorgen
die Vollspektrumlampen für gutes Licht.

Nach einer Testphase von acht Wochen hatten sich alle Mitarbeiter an das Licht gewöhnt und waren von der neuen Be­ leuchtung überzeugt. Und das sind die Erfahrungen, die sie mit dem neuen Licht machten: Das allgemeine Wohlbefinden der Mitarbeiter am Arbeitsplatz hat sich verbessert; Farben lassen sich eindeutiger erkennen; der Kontrast der Gegenstände in den Arbeitsräumen ist besser geworden; das Lesen und die Bildschirmarbeit sind für die  Augen nicht mehr so anstrengend; die Mitarbei­ ter können sich länger konzentrieren; deutlich weniger Mitarbeiter  klagen über Kopfschmerzen.

"Wir sind sehr zufrieden mit dem Er­gebnis und haben nach und nach den gesamten Bereich der Strahlentherapie mit Vollspektrumlampen ausgestattet", sagt Peter Aschendorf . Auch im Bereich der Physikalischen Therapie (Massage) und in einigen OP-Räumen sind nach den guten Erfahrungen Vollspektrum ­ lampen installiert worden.

Ob Vollspektrumlampen oder herkömmliche  Leuchtstoffröhren  in Arbeitsräumen eingesetzt werden, wichtig ist in jedem Fall, daß die Lichtrichtung stimmt und die Mitarbeiter nicht geblendet werden. Das Licht sollte möglichst keine störenden Schatten werfen. Blendfrei­heit ist besonders bei Arbeiten am Com­puter wichtig. Das beste Ergebnis wird erzielt, wenn die Lichtverhältnisse, die in der Natur herrschen - der Horizont als helles und die Landschaft als dunkles Ele­ ment - im  Büro nachempfunden wer­ den. Das heiBt, es sollten etwa 70 Pro­ zent helle Flächen (Licht) und etwa 30 Prozent dunkle Flächen (Büromöbel) im Büro vorhanden sein. Bei dieser Beleuchtungsart ist eine Blendung der Mitarbeiter am Bildschirm beinahe aus­ geschlossen, und er läßt sich deshalb sehr flexibel aufstellen.

Bei der lnstallation neuer Lampen sollte unbedingt ein Lichttechniker hinzugezo­gen werden. Bei Fragen hilft der Technische Aufsichtsdienst der BGW